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Billy Bragg wettert gegen die britische Monarchie

Billy Bragg, der kleine bissige Hund, immer breit, in die Waden des Establishment zu beißen, schlägt wieder zu. Diesmal im Visier: Die britische Monarche und ihre Omnipräsenz in den Medien. Die Botschaft ist eindeutig: "Take Down The Union Jack, It Clashes With The Sun Set", fordert Billy Bragg gewohnt scharf in seiner nach eben dieser ersten Textzeile benannten aktuellen Singleauskopplung aus dem Album "England, Half English".

Beschönigung ist seine Sache nicht, und so stänkert er : "Britain isn't cool you know, it's really not that great", um dann in der zweiten Strophe angesichts der medialen Allgegenwart der Königlichen Familie und der scheinbaren Monarchie-Hörigkeit vieler seiner Landsleute etwas konkreter zu werden: "Is this the 19th century that I'm watching on TV? / The dear old Queen Of England handing out those MBEs / Member of The British Empire -that doesn't sound good to me."

Der Veröffentlichungstermin von "Take Down The Union Jack" am 20. Mai (nur in GB) scheint im Hinblick auf das Goldene Thronjubiläum der Queen am 03. Juni vielleicht zunächst schlecht gewählt. Einmal mehr wird Großbritannien im Monarchie-Taumel versinken, Stars wie Paul McCartney oder Elton John werden der Queen im Rahmen eines Konzertes im Buckingham Palace die Ehre erweisen. Kritik? Offenbar Fehlanzeige! Billy Bragg möchte sich damit jedoch nicht abfinden, und versucht deshalb das scheinbar Unmögliche: "Take Down The Union Jack" soll in der Woche des Thronjubiläums die Spitzenposition der britischen Charts einnehmen!
Dass das nicht einfach wird, ist klar. Doch Bragg will hier nicht einfach nur eine Single an den Mann bringen - sämtliche Erlöse gehen übrigens zugunsten der Living Wage Campaign - , sondern gezielt versuchen, sämtliche Kräfte zu bündeln, und mit seinem Song all den Briten eine Stimme zu verleihen, die die britische Identität nicht als ein Geschenk des Königshauses empfinden und ihrem Protest Ausdruck verleihen möchten.

Billy Bragg dazu: "I believe that if each of you is prepared to spend a total of just 5 GBP to purchase all three formats of the CD single, then together we can make a mark in history! ... Counting the number of CDs sold is a trivial way of measuring the depth of antipathy towards the monarchy, but it's no less a scientific method than pointing to the crowds outside Buckingham Palace as proof that, at heart, we are still a nation of royalists. This single offers everyone a chance to register their opposition to the Golden Jubilee in a communal act of defiance. What better time to be blowing a raspberry than in the week of the celebrations themselves?"

In Deutschland wird "Take Down The Union Jack" nicht veröffentlicht werden. Wer jedoch David in seinem Kampf gegen Goliath unterstützen möchte, hat die Möglichkeit, die Single über den Online-Shop von HMV UK käuflich zu erwerben: www.hmv.co.uk

Interview

Warum Wenzel Guthrie singt

Guthries Tochter Nora persönlich lud den Ost-Berliner Liedermacher nach New York ein. Beim Stöbern im Archiv entdeckte er Woody auch als Literaten. Seine Annäherung an den Folkbarden zeigt nun die CD "Ticky Tock", die Wenzel am 14. Februar in Dresden vorstellt. MDR KULTUR schneidet mit. mdr.de befragte Hans-Eckardt Wenzel zum Projekt.

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Quelle: extern
Hans-Eckhardt Wenzel im Konzert (Bild: Thomas Neumann)
Wenzel singt Guthrie - wie kam es zu diesem Projekt?

Nora Guthrie war in Berlin und hat mich in einem Konzert gesehen, zusammen mit Billy Bragg. Wie sie sagte, war sie beeindruckt von meiner Art des Singens und meiner Beziehung zum Publikum. Daraufhin fragte sie mich, ob ich nicht Interesse hätte, erst mal einen Song zu machen für ein Rundfunk-Feature. Und dann kam eins zum anderen. Ende vorigen Jahres lud sie mich dann nach New York ins Guthrie-Archiv ein. Da war ich aber immer noch nicht hundertprozentig sicher, ob ich es mache.
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Was ließ Sie zweifeln?

Ich wusste nicht, ob ich der Richtige dafür bin. Ich bin nicht unbedingt mit englischsprachigem Liedgut groß geworden. Abgesehen von meiner ganz frühen Jugend, als ich in Bands spielte, habe ich mich später viel stärker zu den romanischen Sprachen hingezogen gefühlt. Ich kannte Woody Guthrie eigentlich auch nur peripher, so wie man ihn in der DDR kannte, als jemanden, der quasi instrumentalisiert worden ist für den Widerstandskampf in anderen Ländern. Und da ich nie irgendwelche Kampflieder von anderen gesungen habe, gehörte er nicht unmittelbar zu meinem Repertoire. Außerdem hab ich noch eine ganze Menge neuer Sachen von mir selber, für die es an Zeit mangelt.

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 Zum Thema

Mehr über Hans-Eckardt Wenzel

 Links in mdr.de

Wenzel mit Guthrie live in Dresden und auf MDR KULTUR

 Links ins WWW

Hans-Eckardt Wenzel - Homepage mit Hörproben

"FOLKER!"-Artikel über Wenzel

Der MDR ist nicht für den Inhalt externer Internetseiten verantwortlich!
Trotz aller Skepsis sind Sie der Einladung von Nora Guthrie gefolgt.

Als ich im November vorigen Jahres im New Yorker Archiv saß, war ich total überrascht. Zunächst über die Fülle des Materials und dann über dessen Qualität. Ich habe seine unveröffentlichten Texte gelesen, zu denen es keine Musik gibt. Da Guthrie keine Noten kannte, existieren keine Notationen. Wir wissen nicht, wie die Lieder vielleicht geklungen haben. Also habe ich ihn als rein literarisches Phänomen für mich entdeckt. Dadurch rückte er mir sehr nahe, in einer Linie mit Theodor Kramer und anderen Dichtern, mit denen ich mich beschäftigt habe. Da hat jemand versucht, in einer scheinbar tradierten Form moderne Inhalte auszudrücken. Das hat mich fasziniert. Außerdem habe ich viel über Guthrie gelesen, seine Autobiografie, die Biografie von Joe Klein und was ich sonst noch so gefunden habe. Das alles hat sich dann zu einem Bild zusammengefügt. Nach zwei Wochen Arbeit im Archiv habe ich mir an die 50 Texte ausgewählt. Die habe ich anschließend zu Hause vertont.
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Auf Englisch?

Ja, ich habe die Lieder mit den englischen Texten mit meiner Band geprobt. Weil ich mir unsicher war - fremdsprachige Texte zu vertonen, geht leicht schief -, habe ich die Sachen nach New York geschickt und um eine Meinung gebeten. Mehrere Produzenten dort waren ganz von den Socken. Schließlich ist das ein ganz anderer Blick auf Woody Guthrie. Er wird ja in Amerika doch mehr als eine Art "Hully-Gully-Musik" verstanden, als was Leichtes, Frohes, so mit zwei Harmonien. Ich habe seine Texte natürlich in meiner Musiktradition komponiert, so wie ich eben auch einen anderen Text komponieren würde.
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Quelle: extern
Woody Guthrie (1912-1967)
Das heißt ...

... andere harmonische Gefüge, auch andere rhythmische Fügungen. Die sind beeinflusst vom deutschen Volkslied, vom Kunstlied und vom Kabarett-Chanson. Und nachdem aus New York die Ermutigung kam, dass das funktioniert, haben wir mit der Band weitergearbeitet. Ich hatte mir vorgenommen, die Übersetzungen erst ganz zum Schluss zu machen und dann mindestens einen adäquaten Sound und eine adäquate Anarchie in den deutschen Texten herzustellen. Die Band war inzwischen schon an die englischen Texte gewöhnt. Und ich sagte mir, wenn du zum Schluss dann die deutschen Texte anbringst und die gucken blöd, dann ist was faul. Woody Guthrie kam ja von der Musik her und hatte eine unglaublich klare Klangvorstellung von Sprache. Das war die zweite große Schwierigkeit, die ich aber, glaube ich, inzwischen gemeistert habe: Es hat unglaublich viel Mühe gemacht, eine gereimte, singbare Übertragung der Texte ins Deutsche herzustellen.
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Keine leichte Aufgabe, bekanntlich lässt sich auf Englisch vieles wesentlich kürzer ausdrücken als auf Deutsch.

Man muss die deutsche Sprache eben so weit glätten und schärfen, dass die Kürze hinkommt. Die Songs erscheinen auf Englisch und Deutsch mit identischem Arrangement. Die Amerikaner haben großes Interesse an den Original-Einspielungen, weil es diese Lieder ja sonst nirgendwo gibt. Beide Einspielungen sind völlig deckungsgleich vom Sound, teilweise von den Vokalen, vom Inhalt auch. Trotzdem sind es natürlich andere Songs, weil man sie im Deutschen quasi neu erfinden muss. Aber die Amerikaner waren auch mit den Übersetzungen sehr zufrieden. Ich hab sogar den Reim noch verstärkt. Während Guthrie oft nur die zweite und vierte Zeile gereimt hat, was im Deutschen sehr schwach ist, habe ich immer Zeile eins und zwei gereimt und noch Zeile drei und vier.
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Quelle: extern
Cover der Promotion-CD (Conträr Musik Lübeck)
Was hat Sie bewogen, 35 Jahre nach Woody Guthries Tod so viel Kraft in die "Neuerfindung" seiner Songs zu investieren?

Einmal ist es die literarische Dimension. Guthrie, der von irischen Vorfahren abstammt, gehört sozusagen zu einer europäischen Kultur, die im 19. Jahrhundert ausgewandert ist. Die Auswanderer haben damals die Industrialisierung und auch die politischen Verhältnisse Europas verlassen und in Amerika mit Rudimenten ihrer eigenen Kultur eine andere aufgebaut, die wiederum später Europa dominiert hat. Woody Guthrie steht am Anfang einer Kultur der Singer/Songwriter. Das, was in Deutschland mit Brecht, Eisler und Weill in einer anderen, mehr akademischen Form passiert ist, das hat in Amerika Woody Guthrie in einer ganz naiven Form geschafft, nämlich in der Moderne eine quasi literarische Form wieder zur Musik zurückzuführen. Guthrie hat Volkslied und Literatur auf eine ganz neue Art, in ganz neuen politischen Verhältnissen wieder zusammengebracht. Da ich selbst Bestandteil dieser Tradition bin, war es spannend für mich, an deren Anfänge zurückzukehren und festzustellen, wie stark ich eigentlich davon geprägt bin, ohne dass ich mir dessen bewusst war.

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 Zum Thema

Woody Guthries Erben

Biografie Woody Guthrie

Buchtipp

 Links ins WWW

Woody-Guthrie-Archiv in New York

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Das klingt sehr nach Rückschau. Back to the roots ...

Das Zweite, was Guthrie in diesen neoliberalen Zeiten so wichtig macht: Er fordert persönliche Freiheit ein, die nicht auf Kosten anderer geht, sondern die sozusagen einen solidarischen, einen utopischen Entwurf für die Gesellschaft noch in sich selber trägt. Diese persönliche Freiheit fordert er rigoros ein, er verlässt seine Frau und zieht rum, er ist an einem bestimmten Punkt unberechenbar in seiner Art. Bei ihm ist Freiheit keine Phrase, nicht einfach nur Gegenbegriff zur Diktatur, zum Geknechtet-Werden. Für ihn ist es eine wirkliche Utopie, dass der Einzelne sich selber bestimmen kann, und dass er eine Lebensform findet, die mit Solidarität funktioniert.

Als ich das in seinen Texten entdeckt habe, hat mich das in meiner Auffassung unheimlich bestärkt. In solch einem Moment spürt man, dass man nicht ganz allein ist. Gelegentlich kommt es einem ja doch so vor, als ob man einer aussterbenden Rasse angehört in dieser Spaßkultur-Welt.
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Sie haben schon mehrere Programme auf Bühne und Tonträger gebracht, in denen Sie sich mit dem Werk von Dichtern beschäftigen. Zuletzt haben Sie dem Komponisten Hanns Eisler eine CD gewidmet. Hat diese Erfahrung bei der Annäherung an Woody Guthrie geholfen?

Ganz sicher. Ich bin auch mit einer ähnlichen Technik herangegangen. Die Frage ist immer: Wie stehe ich so einem großen Werk gegenüber? Soll ich wie ein Lehrer mit historischer Genauigkeit herangehen: Dieses Lied ist aus der ersten Phase, das aus der zweiten ... Oder will ich vielmehr den Eindruck wiedergeben, den er auf mich machte? So bin ich mit Mühsam, Goethe, Becher, Kramer und Eisler umgegangen. Ich beschreibe, wie er mich berührt, was ich besonders gut an ihm finde. Aber ich versuche nicht, ein vollständiges Bild von ihm zu zeichnen. Im übrigen kann es nicht schaden, wenn man sich gelegentlich, so nach ein oder zwei eigenen Platten, bei Kollegen rückversichert und relativiert, auch wenn die vielleicht schon tot sind und vergessen. Für mich ist es immer wieder ein gutes Regulativ, dass ich mich in einer langen historischen Linie weiß, in der ich ein ganz kleines Pünktchen bin.
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Quelle:extern
Wenzel mit Band (Bild: Thomas Neumann)


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